
Wenn Sie in der Nähe eines Natura-2000-Gebiets bauen, gilt eine Pflicht: Bevor Sie eine Genehmigung erhalten, müssen Sie den Stickstoffausstoß Ihres Projekts berechnen und begründen. Das tun Sie in AERIUS, doch die Berechnungsmethode hinter diesem Tool steht nicht still. In diesem Artikel erklären wir, wofür AERIUS existiert, welche Rolle TNO spielt und wann sich das Tool demnächst wieder ändert.
AERIUS ist das Berechnungsinstrument, das Sie als Projektentwickler oder Auftragnehmer verwenden, um zu berechnen, wie viel Stickstoffdeposition Ihr Bauprojekt auf geschützter Natur verursacht, den sogenannten Natura-2000-Gebieten. Verursacht Ihr Projekt Stickstoffdeposition in einem stickstoffempfindlichen Natura-2000-Gebiet, müssen Sie vor Beginn Ihres Projekts nachweisen, dass erhebliche Auswirkungen auf diese Natur ausgeschlossen werden können. Ohne diese Begründung erhalten Sie keine Genehmigung. Da viele dieser Naturgebiete bereits stark belastet sind, kann schon eine geringe Zunahme zusätzliche Begründungen oder Maßnahmen erfordern. Die Genehmigungsbehörde prüft Ihren Antrag mit demselben Tool, sodass Sie und die Behörden mit denselben Rechenregeln arbeiten.
Zunächst bestimmt das Tool die Emission: wie viel Stickstoff (NOx und NH3) eine Quelle ausstößt, zum Beispiel ein Bagger oder ein Lkw. Anschließend berechnet das Tool die Deposition: wie viel dieses Ausstoßes letztlich in einem Naturgebiet niedergeht.
Die Emissionsseite stützt sich auf Zahlen und Methoden von TNO. Auf der Depositionsseite rechnet das RIVM mit dem Ausbreitungsmodell OPS, das unter anderem anhand des Wetters und der Windrichtung berechnet, wo der ausgestoßene Stickstoff letztlich niedergeht. Für den Straßenverkehr verwendet AERIUS außerdem eine gesonderte Berechnungsmethode, SRM2, die speziell für die Ausbreitung von Emissionen entlang von Straßen gedacht ist. Geht es um eine Anpassung „der TNO-Methode“, betrifft dies also die Emissionsseite: die Einschätzung dessen, was hinten aus dem Auspuff kommt.
AERIUS wird im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft vom RIVM entwickelt und verwaltet. Für die Emissionszahlen zieht das RIVM TNO hinzu: eine unabhängige Forschungsorganisation, die die Regierung in zahlreichen Bereichen – von Energie bis Mobilität – mit angewandter wissenschaftlicher Forschung unterstützt. TNO entwickelt die Berechnungsmethoden, mit denen der Stickstoffausstoß einer Quelle bestimmt wird, und liefert die daraus resultierenden Emissionsfaktoren an AERIUS, für den Straßenverkehr, mobile Maschinen, die Binnenschifffahrt und die Seeschifffahrt. Für mobile Maschinen sind das die AUB-Methode (AdBlue-Verbrauch, Stunden („Uren“) und Kraftstoffverbrauch) und die einfachere U-Methode. Das RIVM verarbeitet diese Zahlen und führt anschließend die Depositionsberechnung durch. TNO liefert also die Bausteine am Anfang, das RIVM rechnet am Ende.
Die Berechnungsmethode steht nie lange still, und das hat mehrere zusammenhängende Ursachen. Neue Messungen liefern immer bessere Erkenntnisse: Motoren erreichen in der Praxis nämlich nicht immer den Ausstoß, der auf dem Papier zu ihrer EU-Norm gehört, und sobald Messungen Anlass dazu geben, passt TNO die Zahlen an. Hinzu kommen Politik und Regelgebung, etwa neue EU-Normen für Motoren und der Übergang zum Umgebungsgesetz (Omgevingswet). Auch die Rechtsprechung spielt eine Rolle: Urteile des Staatsrats (Raad van State) bestimmen mit, wie Sie Ihre Emissionen begründen dürfen. Sobald AERIUS aufgrund solcher Entwicklungen aktualisiert wird, sind Sie zudem verpflichtet, mit dieser neuesten Version zu rechnen: Die Umgebungsverordnung (Omgevingsregeling) schreibt vor, dass veraltete Zahlen keine Option sind. All diese Entwicklungen zusammen führen dazu, dass AERIUS in der Regel jährlich aktualisiert wird, in einem festen Rhythmus im Oktober.
Der Ansatz für mobile Maschinen ist schrittweise präziser geworden. 2009 arbeitete AERIUS mit dem Modell EMMA, das vor allem von Betriebsstunden ausging. 2021 führte TNO die AUB-Methode ein. Sie koppelt den Ausstoß an drei Praxisdaten: AdBlue-Verbrauch, Betriebsstunden und Kraftstoffverbrauch. Der Gedanke dahinter: Je stärker ein Motor belastet wird und je besser die Abgasnachbehandlung mit AdBlue funktioniert, desto genauer lässt sich der tatsächliche NOx-Ausstoß einschätzen.
2023 kam die U-Methode hinzu, eine einfachere Variante für Situationen, in denen Verbrauchsdaten fehlen. Sie verwendet zwei Angaben: die maximale Motorleistung der Maschine und die Anzahl der Betriebsstunden. Im Update vom 7. Oktober 2025 stellte AERIUS für mobile Maschinen von Werten pro Sektor auf Werte pro Leistungsklasse um.
Die nächste Aktualisierung ist für den 6. Oktober 2026 geplant. Für mobile Maschinen werden dann verschiedene NOx-Kennzahlen angepasst. Grundlage dafür ist das Messprogramm Mobile Maschinen & Baulogistik (Meetprogramma Mobiele Werktuigen & Bouwlogistiek), das unter Sauberes und Emissionsfreies Bauen (Schoon en Emissieloos Bouwen) fällt. Darin werden im Projekt „Meten aan de Pijp“ (Messen am Auspuff) die tatsächlichen NOx-Messungen am Auspuff durchgeführt. GPS-Buddy gewann die Ausschreibung von Connekt und Topsector Logistiek und führte Praxismessungen durch. An Hunderten von Maschinen erfassten wir über den CAN-Bus den Kraftstoffverbrauch, die Betriebsstunden und die Motorlast. An Dutzenden davon platzierten wir Sensoren im Auspuff und im Lufteinlass, um den NOx-Ausstoß direkt am Auspuff zu messen.
Aus diesen Messungen geht hervor, dass mobile Maschinen in der Praxis im Durchschnitt etwa 40 Prozent weniger Stickstoff ausstoßen, als die AUB-Methode mit der Standardannahme von sechs Prozent AdBlue vorhersagt, mit Ausreißern bis zu 90 Prozent. TNO hat die Ergebnisse in eine neue Berechnungsmethode übersetzt, festgehalten in einer Anleitung zur Berechnung des NOx-Ausstoßes (TNO 2026 R10854). Diese Berechnungsmethode ist bis zu 64 Prozent genauer geworden. Für die Baubranche bedeutet das mehr Spielraum: Projekte, die zuvor über der Depositionsgrenze in AERIUS lagen, bleiben nun möglicherweise darunter und können doch noch durchgeführt werden.
Ein konkretes Beispiel für diese Präzisierung steckt in der AUB-Methode. Sie rechnet mit dem AdBlue-Verbrauch einer Maschine. Messen Sie diesen Verbrauch selbst, tragen Sie die tatsächlichen Zahlen ein. In der Praxis wird der AdBlue-Verbrauch jedoch längst nicht immer erfasst. Fehlten diese Daten, wurde bislang auf einen Standardwert von sechs Prozent zurückgegriffen. In der angepassten Methode ist das nicht mehr nötig: Ist der tatsächliche Verbrauch unbekannt, wird der AdBlue-Anteil aus der tatsächlichen Motorlast abgeleitet, berechnet auf Grundlage des Kraftstoffverbrauchs, des Baujahrs und der Motorleistung. Je nach Belastung ergibt das vier bis sieben Prozent. So entspricht der berechnete NOx-Ausstoß besser dem, was eine Maschine in der Praxis tatsächlich ausstößt, auch wenn der AdBlue-Verbrauch nicht gemessen wurde.
Die neue Berechnungsmethode kann sich auf Ihre AERIUS-Berechnung auswirken. Wie sich die neue Methode auswirken kann, lesen Sie in diesem Artikel → alte vs. neue Methode.
Emissionszahlen für unter anderem das AERIUS-Berechnungstool berechnen Sie ganz einfach über Flowter. Per Knopfdruck erhalten Sie die Emissionszahlen Ihres gesamten Maschinen- und Fuhrparks – pro Projekt und pro Zeitraum – direkt und übersichtlich.
GPS-Buddy hat seine IT-Kontrollen in Bezug auf die Emissions- und Berichterstattungsmethodik unabhängig beurteilen lassen, im Rahmen eines ISAE-3000-Assurance-Verfahrens, das in Zusammenarbeit zwischen TÜV NORD Nederland und ihrem Partner Diggle BV durchgeführt wurde.
Hinweis: Die offizielle Begründung des RIVM für die Version 2026 war zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels noch nicht veröffentlicht.
Dieser Artikel beschreibt eine Situation in den Niederlanden und beruht unter anderem auf öffentlichen Quellen von TNO (repository.tno.nl), dem RIVM (rivm.nl), AERIUS/BIJ12 (aeriusproducten.nl), dem Messprogramm Mobile Maschinen & Baulogistik (meetprogramma.nl) und Sauberes und Emissionsfreies Bauen (opwegnaarseb.nl). Konsultieren Sie für die aktuellsten Informationen die offiziellen Quellen. Situationen können sich ändern. Aus diesem Artikel können keine Rechte abgeleitet werden.