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Wie HVO-100 Ihren CO2-Ausstoß in der Kette senkt

Was ist HVO-100 und was bedeutet es für Ihre Emissionswerte?

Man sieht es immer häufiger auf der Baustelle: einen Tankwagen mit „HVO-100" an der Seite. Bauunternehmer nutzen es als Alternative zu Diesel in Kranen, Baggern und Lkw. Aber was genau ist HVO-100, wie verhält es sich im Vergleich zu normalem Diesel, und was merken Sie bei Ihren Emissionswerten, wenn Sie umsteigen? Wir erklären es in diesem Artikel.

Was ist HVO-100?

HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil. Der Kraftstoff wird aus Abfallfetten, gebrauchtem Frittierfett, tierischen Fetten und pflanzlichen Reststoffen hergestellt. Diese Rohstoffe werden mit Wasserstoff behandelt, ein Verfahren, das Hydrierung genannt wird. Dabei entsteht ein klarer, paraffinreicher Kraftstoff, dessen Eigenschaften nah an fossilem Diesel liegen. HVO-100 ist die reine Form: 100% HVO, ohne Beimischung von fossilem Diesel. Bei einer Mischform spricht man von HVO-20 oder HVO-50, mit 20% bzw. 50% HVO und dem Rest fossilem Diesel.

Was ist der Unterschied zu Diesel?

Diesel und HVO-100 müssen beide einer europäischen Qualitätsnorm entsprechen. Eine solche Norm ist eine Vereinbarung darüber, welche Anforderungen ein Kraftstoff erfüllen muss, bevor er an der Zapfsäule verkauft werden darf: Zusammensetzung, Eigenschaften und Sicherheit. So ist sichergestellt, dass jeder Liter dieselbe Qualität hat. Diesel fällt unter die Norm EN 590. HVO-100 hat eine eigene Norm, EN 15940. Diese separate Norm besteht, weil HVO-100 anders zusammengesetzt ist als Diesel und daher außerhalb der Anforderungen von EN 590 liegt.

Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung. HVO-100 enthält praktisch keinen Schwefel und hat eine höhere Cetanzahl, was für eine sauberere und vollständigere Verbrennung sorgt. Ein Liter HVO-100 enthält jedoch etwas weniger Energie als ein Liter Diesel, wodurch der Verbrauch pro Liter meist leicht ansteigt.

In der Praxis merken Sie von diesen Unterschieden wenig. HVO-100 funktioniert in den meisten vorhandenen Dieselmotoren ohne Anpassungen am Motor oder Kraftstoffsystem und lässt sich in jedem Verhältnis mit Diesel mischen. Hersteller geben für viele Modelle ab Euro 5 oder Euro 6 eine Freigabe. Prüfen Sie im Zweifel immer die Freigabe des Motorherstellers.

Ist HVO-100 dasselbe wie Biodiesel oder blauer Diesel?

Diese Bezeichnungen werden oft synonym verwendet, bedeuten aber nicht dasselbe. Traditioneller Biodiesel (an der Zapfsäule als B7 oder B100) ist eine ältere Art erneuerbarer Kraftstoff, der empfindlicher auf Kälte, Verschmutzung und Verderb bei der Lagerung reagieren kann, während HVO-100 diese Nachteile nicht hat und sich im Motor wie normaler Diesel verhält. „Blauer Diesel" ist kein fester Kraftstoff, sondern ein Handelsname, der je nach Anbieter variiert: manchmal enthält er HVO, manchmal eine andere nachhaltige Dieselmischung. Der Name sagt also wenig aus; entscheidend sind die Produktspezifikation und das Nachhaltigkeitszertifikat, denn für Ihre CO2-Berichterstattung zählt nur, was Sie nachweislich getankt haben.

Was bedeutet HVO-100 für Bau, Infrastruktur und Logistik?

Für Bau und Infrastruktur ist HVO-100 vor allem für Maschinen interessant, die noch nicht elektrisch betrieben werden können: Bagger, Radlader, Kräne und Generatoren. In den letzten Jahren sind immer mehr Bau- und Infrastrukturunternehmen für den dieselbetriebenen Teil ihres Maschinenparks auf HVO-100 umgestiegen. Die dabei erzielte CO2-Einsparung kann auf der CO2-Leistungsleiter (CO2-Prestatieladder) angerechnet werden, sofern der Kraftstoff nachweislich nachhaltig produziert wurde.

In Transport und Logistik ist die Umstiegshürde oft geringer, da Lkw seltener den Standort wechseln und leichter an einem festen Tankstandort tanken können. Bei Bau und Infrastruktur spielt der Projektstandort eine größere Rolle: Nicht jedes Projekt hat eine Tankstelle mit HVO-100 in der Nähe, und Maschinen werden oft vor Ort von einem Tankwagen aus betankt.

Was bewirkt HVO-100 bei Ihren Emissionswerten?

Physisch entsteht bei der Verbrennung eines Liters HVO-100 etwa dieselbe Menge CO2 aus dem Motor wie bei Diesel, rund 2,446 Kilogramm. Der Unterschied liegt darin, wie dieses CO2 gezählt wird. Da HVO-100 aus erneuerbaren Rohstoffen wie Abfall- und Pflanzenfetten hergestellt wird, gilt das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 als biogen. In der offiziellen CO2-Berichterstattung wird diese Verbrennung daher praktisch mit null angesetzt.

Was übrig bleibt, ist das CO2, das die Herstellung und der Transport des Kraftstoffs verursachen. Nach den offiziellen Emissionsfaktoren liegt ein Liter HVO-100 dadurch bei etwa 0,468 kg CO2, gegenüber etwa 3,46 kg bei fossilem Diesel. Das ist eine Einsparung von rund 86%.

Für Ihre Berichterstattung ist die Anzahl der getankten Liter HVO-100 der Ausgangspunkt. Um die Einsparung beispielsweise auf der CO2-Leistungsleiter oder in Ihrer CSRD-Berichterstattung anrechnen zu dürfen, müssen Sie nachweisen können, dass das HVO-100 nachhaltig produziert wurde. Das erfolgt über das Zertifikat des Lieferanten, häufig als Proof of Sustainability bezeichnet. Ohne diesen Nachweis zählt ein Tankvorgang mit HVO-100 nicht automatisch als CO2-Einsparung.

Dieser Artikel beschreibt eine Situation in den Niederlanden. Die genannten CO2-Werte basieren auf der offiziellen CO2-Emissionsfaktorenliste (co2emissiefactoren.nl), verwaltet von Rijkswaterstaat und Stichting Stimular. Für die aktuellsten Informationen konsultieren Sie bitte die offiziellen Quellen. Situationen können sich ändern. Aus diesem Artikel können keine Rechte abgeleitet werden.